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Let’s talk about courage

Neulich in einem Webinar zum Thema „Mut“ von One Eight Zero, einem smarten Coaching-Start-up von Michael Marchetti für Pilot:innen und Flugbegleiter:innen, die sich beruflich und persönlich weiterentwickeln möchten. Ich war als Speakerin geladen (danke, Michael!) und durfte tun, was ich am liebsten tue: über das Fliegen und das Leben reden.


Ich nutze liebend gern solche Gelegenheiten, um begeistert meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben und mit derselben Begeisterung anderen Sprecher:innen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Zu lernen gab’s diesmal eine Menge von Sabine Zimmer, ehemals Purser und Team Leader bei Lufthansa, und Martin Stork, einst B737-Pilot und Buiness Jet-Kapitän.


Sind Pilot:innen mutige Menschen?


Gute Frage. Die vergangenen Jahre waren nicht einfach für Pilot:innen und Flugbegleiter:innen. Rigide Sparkurse vieler Airlines, der steigende Wettbewerb und natürlich die Corona-Krise haben viele von uns in eine persönliche Krise gestürzt und uns hinterfragen lassen, was wir in unserem Beruf eigentlich tun. Nicht wenige Pilot:innen und Flugbegleiter:innen haben ihren Job an den Nagel gehängt und versuchen sich jetzt neu zu orientieren.


Dazu braucht es Mut – auch für Pilot:innen. In der Fliegerei werden wir dazu ausgebildet und laufend trainiert, einen Plan B und C parat zu haben, wenn wir in eine Problemsituation geraten. Wir haben unsere Checklisten, die uns sagen, was wir in den verschiedenen Fällen zu tun haben. Wir haben unsere mentalen Tools und Techniken, um in Gefahrensituationen einen kühlen Kopf zu bewahren und ruhig und überlegt zu handeln.


Aber wo ist die Checkliste für das Leben außerhalb des Cockpits?


Die müssen wir uns individuell zusammenbasteln und dazu unsere eigenen Erwartungen und Anforderungen auf den Prüfstein stellen. Wichtige Fragen sind: „Was bin ich ohne meine Pilot:innenuniform und die Kapitän:innenstreifen? Was macht mich als Mensch aus? Was kann ich außer Fliegen?“


Als Pilot:innen sind wir es nicht gewohnt, einfach etwas Neues auszuprobieren und dabei Fehler zu riskieren – nach dem Motto „Trial & Error“. Als Menschen müssen wir aber Fehler machen, damit wir lernen können – nach dem Motto „FAIL is the First Attempt In Learning“. Uns als Pilot:innen zu trauen (außerhalb des Cockpits) Fehler zu machen und uns auf etwas Neues einzulassen, kann also für viele von uns ganz schön herausfordernd sein. Aber notwendig, wenn wir uns weiterentwickeln wollen bzw. uns auch für den Umgang mit unerwarteten Situationen rüsten wollen.


„Nütze den weiblichen Anteil“, sagt ein Mann ...


Martin Stork hat dazu im Webinar etwas sehr Bemerkenswertes gesagt: „Integrate the female part.“ Aus meiner Sicht gilt das nicht nur für Piloten, sondern auch für Pilot:innen, die meinen, sich als Frau selbst negieren zu müssen, um im – leider immer noch – männerdominierten Cockpit erfolgreich zu sein und anerkannt zu werden. Sie übernehmen das maskuline Mantra des allzu Rationalen mit Glaubenssätzen wie: „Ich muss cool sein, immer alles im Griff haben, jederzeit meine Leistung bringen, stark sein.“ Durch das Ausblenden des Emotionalen, des Fühlens, berauben sie sich zusätzlicher Handlungsmöglichkeiten und vielfältigerer Handlungsoptionen für das Leben außerhalb des Cockpits.


Meine Erfahrungen im Cockpit


Wir gewinnen nichts, wenn wir uns negieren und um des Ansehens oder der Karriere Willen schlechte Kompromisse gegen unsere Überzeugungen oder unseren inneren Kompass schließen. Aber wir gewinnen eine Menge, wenn wir uns selbst treu bleiben. Und wenn es dazu erforderlich ist, aus dem Cockpit auszusteigen, dann sollten wir das tun. Denn: Es gibt noch andere Cockpits – im eigentlichen und übertragenen Sinn – auf dieser Welt.


Mein eigener Weg hat mir gezeigt, dass meine bisherigen Umstiege immer zu einer für mich besseren Situation geführt haben. Die neuen Plätze sind nicht unbedingt größer und teurer geworden, aber ich habe dort alles, was mich wirklich glücklich macht. Und darum sollte es doch eigentlich gehen im Leben.

 
 
 

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